North Brigade im Kölner Stadtanzeiger: Endlich wieder rollen statt rattern

Andreas Schützenberger hat Skateboard-Rampen in der ganzen Welt gebaut. Jetzt sanierte der Profi die Anlage der North Brigade, die in Zukunft wieder zu einem Eldorado für Skater werden könnte.

Weidenpesch – Einen Traum hat sich Andreas Schützenberger in Ulan-Bator erfüllt. Aus dem Nichts hat der Bayer in der mongolischen Hauptstadt einen kleinen Skaterpark aus dem Boden gestampft. Ein Park, der nicht bis in alle Ewigkeit halten wird, dazu war das rare Holz im Steppenland nicht gut genug. Aber es ist ein Anfang für die Skateboarder in der Mongolei, die ansonsten mit ihren schlichten Rollbrettern über den Bordstein schrubben. Andreas Schützenberger ist professioneller Skateboard-Bahnenbauer, und dazu ein guter. Den Parcours für die Europameisterschaft in Basel hat er ebenso gestaltet wie das Areal für den World-Cup 2007 in Rotterdam. Dazwischen tourt der Rampenbauer weltweit: Zagreb, Moskau, Israel und eben auch Ulan-Bator waren zuletzt seine Ziele. Jetzt hat Schützenberger die Skateboard-Anlage der North Brigade an der Scheibenstraße auf Vordermann gebracht. Der Zeitpunkt dafür ist gut: Nach dem Aus im Jugendhilfeausschuss für die geplante Skateranlage unter der Zoobrücke könnte sich der North Brigade-Skaterpark wieder zu einer Anlaufstelle für Rollbrettkünstler entwickeln.

„War schon schlimm, wie es hier aussah“, sagte der 36-Jährige Schützenberger. Den Verein North Brigade gibt es seit 1988. 1990 errichteten die Skater im Auftrag der Stadt die Anlage an der Scheibenstraße für 260 000 Mark (heute 133 000 Euro). Der Verein, der sich über Eintrittsgelder, Spenden und Einnahmen aus Skater-Events wie dem California-Cup finanziert, steuerte immerhin 150 000 Mark (76 700 Euro) aus eigenen Mitteln zur Anlage bei.

Das Weidenpescher Areal, einst Treffpunkt für Rollbrettfahrer aus der ganzen Welt, ist tatsächlich in die Jahre gekommen. Wind und Wetter setzen der nicht überdachten Anlage zu. Die Folge: Der Belag blätterte von den Anlagen für die Skater, von Quarter-Pipe und Curbs zum Beispiel. Rost zehrte an der Half Pipe und der Bodenasphalt war so rau geworden, dass die Bretter der Skater mehr ratterten als rollten. Eine Sanierung tat also Not: 15 00 Euro stellte das Sportamt in diesem Sommer dafür zur Verfügung, und so konnte sich Rampenbauer Schützenberger an die Arbeit machen. Vier Rampen erhielten eine neue Holzoberfläche samt Kunststoffbeschichtung.

„Die Anlage ist endlich aus dem Dornröschen-Schlaf erwacht“, sagt der Vorsitzende der North Brigade, Dieter Ortsiefer, nach dem Ende der Arbeiten. Der Feinkosthändler gründete vor 20 Jahren den Verein, dem heute noch – bei einem Jahresbeitrag von 31 Euro – 95 Mitglieder angehören. Ortsiefer hofft nun, dass das Angebot wie zu den besten Zeiten 15 000 Skateboard-Fans im Jahr nach Weidenpesch zieht. „Im hinteren Teil des Geländes haben wir noch einen Streetball-Platz angelegt, so dass jetzt auch Jugendliche zu uns kommen können, die nicht unbedingt skaten wollen“, betont der engagierte Vorsitzende. Das Ergebnis der Investition macht sich schon bemerkbar, denn die Besucherzahlen haben sich, laut Ortsiefer, in den vergangenen Tagen verdoppelt.

Für einen wirklichen Neuanfang im Skaterpark müsste man noch mehr Geld investieren, glaubt Experte Schützenberger. Die Half Pipe, die mit ihren dreieinhalb Metern für Spezialisten zu klein, für ungeübte Fahrer aber zu schwierig sei, würde er durch eine Bowl ersetzen, eine Art Wanne, die die Fahrer von innen befahren können. Ein Zeltdach über dem Gelände würde die Anlage dauerhaft schützen. „Mit 100 000 Euro könnte man das Gelände zu einem Topstandort ausbauen“, meint Schützenberger.

Derweil plagt sich der Verein North Brigade aber mit einem ganz anderen Problem. So sucht der Club händeringend nach einer Lösung für seine personellen Probleme. „Da kommen Leute aus dem Saarland extra zu uns, und dann ist die Tür zu. Die kommen nicht wieder“, sagt Ortsiefer. Der Verein habe den Platz jahrelang ehrenamtlich betreut, so Ortsiefer. „Aber jetzt brauchen wir professionelle Unterstützung, für die Organisation und für die Jugendarbeit, die wir leisten.“

Noch ist der Vorsitzende skeptisch, ob nach der Ablehnung der Skateranlage unter der Zoobrücke bessere Zeiten für den Skaterpark der North Brigade anbrechen. „Wir werden zwischen Sportamt und Jugendamt zerrieben. Einerseits ist unser Verein als Sportverein anerkannt und erhält die Unterstützung vom Sportamt. Das Jugendamt betrachtet das Gelände dagegen als Spielplatz und zeigt sich wenig hilfsbereit, wenn es um die Förderung im Bereich Jugendhilfe geht.“

von Dirk Risse – http://www.ksta.de/html/artikel/1190059889506.shtml

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